Abfahrtskurven

Es ist nun einige Zeit her, daß wir uns sprachen, noch deutlich länger seit wir uns das letze Mal sahen, nicht ganz so lange, daß ich den Kontakt zu dir abbrechen mußte. Du bist der einzige Mensch in meinem Leben, bei dem ich mich dazu genötigt sah.
Erstaunlich schwer fällt mir die Bewältigung dieser Situation. Nie hätte ich für möglich gehalten, daß die Seelenähnlichkeit zwischen uns etwas werden würde, das mich belastet. Mich belastet, weil ich es nicht leben kann, nichteinmal mehr in der kleinsten Form. Erlebnisse, Geschehnisse. Eisenbahnerwohnungen an Hochsommertagen, Konzerte, Lieblingskneipen, Berliner Cafés, nächtlicher Weißwein, Musiktage, magische Zeiten und schöne Zeilen. Stille Phasen dazwischen, doch auch immer wieder wir – über drei Dekaden. Filme in meinem Kopf, Melodien, die ich dir zuspielen möchte. Mitunter sind Sehnsüchte wirkmächtiger als Fakten. Vorbei.

Ich bin nicht traurig, vielmehr melancholisch. Diesen Fehler kannst du nicht revidieren. Es war der eine Schritt zuviel, den keine Vertrauensbeziehung verträgt. Bis an diesen Punkt bin ich mit dir gegangen, habe jede Schaukelbewegung toleriert und dich aufgehoben, wo ich es konnte, auch mal wild und zornig gekämpft um ein ‘Ping’ in deinem Kopf. Nun nicht mehr. Doch bin ich dankbar für Vieles, das sich mit dir verbindet und mir bleibt.

Noch vermisse ich uns, doch das wird sich geben.

In zehn Jahren werden wir andere sein. Die Möglichkeit einer späten Revision ist vermutlich eine Illusion, einfach, weil der Draht zerrissen wurde. Wenn kein Abgleich mehr möglich ist, wird man einander fremd. So dir bewußt ist, was du da gesprengt hast, hast du sicher noch eines: mein Mitgefühl. Es kann dir nicht gut gehen …

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