Aufräumen nach Maria Kondo

Kondo

Ganz und gar kein Chaot, stolperte ich vor einiger Zeit bei Netflix über Marie Kondo ‘Tidying up’. Ganz davon abgesehen, daß mir dieses Format doch noch neue Ideen nahebringen konnte, was das Herstellen von Ordnung betrifft, ist diese kleine Person so ganz und gar bezaubernd (Trotz der enormen Mengen an Make-up. Grins): So behutsam, empathisch, unfassbar höflich und freundlich – ein zur Person gewordenes ‘suaviter in modo, fortiter in res’
Ich fand den Gedanken bestechend – Pragmatiker, der ich bin (‘Kann man vielleicht nochmal brauchen …’) – über die Gefühlsebene zu gehen: Freut es mich? Will ich es in meiner Zukunft sehen? Das war ein ganz anderer Angang als der, den ich sonst habe.
Diesen Geist muß ich wohl unbewußt mitgenommen haben, als ich in meinem Haushalt etwas bestimmtes suchte. Jedenfalls ist nun mein Kleiderschrank aufgeräumt – stressfrei! – und ich habe quasi im Nebenher meinen Keller entrümpelt. Daß das Arbeit war, sagt mir ‘nur’ mein Körper – der fühlt sich, als habe ihm jemand ins Kreuz getreten.

Lustig: Einige Zeit nachdem ich mich damit befasst hatte, explodiert das Thema ‘Aufräumen nach Kondo’ in den sozialen Medien, wenig später auch in der Tagespresse, bis hin zum Tagesspiegel (eine Berliner Zeitung) Es amüsiert mich, daß ich mich nicht zum ersten Mal unter die ‘early adopter’ einreihen muß.

Was ich gar nicht verstehe ist die Einsortierung des Kondo-Prinzips unter minimalistisch. Darum geht es so ganz und gar nicht. Niemand findet sich in einer Wohnung ohne Bilder oder liebgwordene Erinnerungen wieder – es sei denn, er möchte es so. Kondos Grundgedanke ist der emotionale Ansatz und daraus hervorgehend die Befreiung von Dingen, die uns nicht stehen, nicht passen und/oder uns schlicht nicht mehr soviel bedeuten, daß wir sie in der Zukunft noch haben wollen. Es geht um (Selbst-) Reflexion in der Welt der Dinge, mit denen wir uns umgeben.
Ich persönlich erlebte diesen Ansatz als sehr befreiend und entscheidungserleichternd. Er ist nun in meinem Kopf und wird nicht wieder verschwinden – was ich begrüße.

Haben besonders die Deutschen ein Problem damit, weil sie – zutiefst geprägt von zwei Weltkriegen – aus der Menge an Besitz/Materie ein Gefühl von Sicherheit ziehen? Qua Materie gerüstet für Kalamitäten, die nie auftauchen werden? Darüber darf man nachdenken …

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